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Vertretungsvollmacht / Patientenverfügung

Eine schwere Erkrankung oder ein Unfall können in jedem Lebensalter dazu führen, dass Sie Ihre persönlichen Angelegenheiten vorübergehend oder gar nicht mehr selbst regeln können. Ihr Ehegatte und/oder Ihre volljährigen Kinder können in dieser Situation nicht automatisch für Sie rechtlich handeln und entscheiden, da das Gesetz bei einem Volljährigen keine gesetzliche Vertretung für Angehörige vorsieht. Das Betreuungsgericht würde daher für Sie einen Betreuer bestellen. Möchten Sie sicherstellen, dass Ihre Angehörigen für Sie handeln können, so ist die Erteilung einer Vollmacht unerlässlich.

Seit 2009 wurde die Patientenverfügung in das Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen; damit sind Patientenverfügungen für Ärzte und Pflegepersonen bindend.

Am 10.10.2017 hatte die Gruppe ÄwiR (Älter werden im Rieselfeld) einen Vortrag zu diesen Themen organisiert. Frau Rechtanwältin Karin M. Schmidt hat mit leicht verständlichen Erklärungen und hervorragender Rhetorik einen umfassenden Überblick über die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung referiert und die Zuhörer überzeugt, diese beiden Willenserklärungen zu verfassen. Dazu stellt sie auch rechtssichere Formulare zur Verfügung. Informationen zur Besorgung dieser Formulare sind über die Projektstelle ÄwiR: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. FR 76 79 582 zu erhalten.

Die anschließende lebhafte Diskussion zeigte, dass ÄwiR ein wichtiges Thema ausgewählt hat. Außerdem zeigte sich, dass auch großes Interesse an einem Vortrag zum Thema „Testament“ besteht. Dies wird die Gruppe ÄwiR im Frühjahr 2018 anbieten.

Harald Seywald

Kommentar zum Buch von Arno Geiger: „Der alte König in seinem Exil“
dtv, 189 S., € 9.90

Der preisgekrönte Autor begleitet seinen an Alzheimer erkrankten Vater auf dessen letztem Lebensabschnitt und begibt sich auf die Spuren seiner bisher nur fragmentarisch bekannten tragischen Lebens-geschichte: schwer traumatisiert aus dem 2. Weltkrieg nach Hause zurückgekehrt, als Familienvorstand gescheitert, vom gesellschaftlichen Wandel abgehängt, musste er schließlich im hohen Alter ins Pflegeheim übersiedeln. Mit zunehmender Einschränkung seiner Gedankenwelt lässt sich der Sohn darauf ein, „über die Brücke zu ihm hinüber zu gehen“. So entwickelte sich im Verlauf der Zeit eine innige, von ihm bisher nie gekannte Emotionalität und Zuneigung von hoher Wertigkeit für Vater und Sohn. Und es wird ein Weg zur Selbstfindung: „Es hat lange gedauert etwas herauszufinden über die grundlegenden Dinge, die uns getrieben haben, die Menschen zu werden, die wir sind.“
Die Lebensgeschichte des Erkrankten wird einfühlsam im Kontext mit seinen aktuellen Gefühlsäußerungen und Reaktionen und jenen der Familie in Beziehung gebracht und die ver-rückte, bisweilen durch Situationskomik zum Lachen verdrehte aber in sich schlüssige Welt der Demenz voller Würde und Hochachtung dargestellt, wie es einem König - wenn auch im Exil - gebührt.
Das Buch schildert die Alzheimerkrankheit in ihrem Anfang, ihren Facetten und im Fortschreiten einfühlsam und eindrücklich zugleich und fördert das Verständnis für die besondere Situation der Erkrankten. Es sei allen wärmstens zur Lektüre empfohlen, die mit Demenzkranken umgehen oder sich für ein Schicksal rüsten möchten, das jeden direkt oder indirekt einmal treffen kann.
Heiner Sigel